Viel war los im April 1971: Auf Gleis 4 steht ein Dampfsonderzug der EUROVAPOR. Auf Gleis 2 ist soeben der Eilzug aus Stuttgart angekommen.

Eisenbahnalltag in den 1960er Jahren

Wir schreiben das Jahr 1960. Am Bahnhof Metzingen ist es 03:40 Uhr an einem Werktag und der diensthabende Fahrdienstleiter/Aufsichtsbeamte übernimmt den Frühdienst. Zuerst meldet sich der Wärter von Stellwerk 1 und gleich darauf auch der von Stellwerk 2, der zugleich auch noch einen Schranke bedienen muss, zum Dienstbeginn.

Der erste Frühzug samt Lok- und Zugführer (Abfahrt 04:12 Uhr) hat auf einem Abstellgleis bereits aufgerüstet und wird nach Anmeldung auf Gleis 1 bereitgestellt. Sein Ziel ist Plochingen, bis dahin wird sich der Zug langsam mit Frühpendler füllen. Noch hat nicht jeder ein Auto.
Da auch die Nachbarfahrdienstleister von Bempflingen und Reutlingen-Sondelfingen sich inzwischen anwesend gemeldet haben ist die betriebliche Seite des Bahnbetriebs komplett. Diese Mannschaft wird bis zur Nacht noch 2x wechseln.

Als nächstes trifft der Rangierleiter und der Kleinlokfahrer ( Köf II ) ein. Letzterer wird nun im Kleinlokschuppen sein ''Gefährt'' aus dem Stall holen und überprüfen, um anschließend zum inzwischen geräumten Gleis 1 zu fahren. Dies ist auch nötig, denn der erste Güterzug aus Richtung Kornwestheim kündigt sich bereits nach Gleis 2 an. Heute werden 10 Güterwagen mit vorwiegend Stückgut abgestellt und der Güterabfertigung zugestellt. Dies wird sich bis zum Mittag mehrmals wiederholen. Für die Rangierer der Spätschicht steht dann an erster Stelle nicht das Abstellen sondern das Einstellen der Güterwagen. Immerhin sind abends vier Güterzüge zu bedienen. An manchen Tagen werden so mehr als 40 Wagen einrangiert.

Nun aber zurück zum Morgen... Es kommen weitere Mitarbeiter: 2 die für den Expressgutverkehr zuständig sind, weitere 10 Angestellte die den Geschäftsverkehr auf der Güterabfertigung abwickeln, und schließlich die Verwaltung des Bahnhofs, immerhin nochmals 3 Personen. Achja, fast hätten wir das Verkaufspersonal der Fahrkartenausgabe vergessen... Als die Mitarbeitering eintrifft ist es immerhin schon 05:00 Uhr. Der zugehörige Kassenverwalter wird gegen 07:30 Uhr mit dem Fahrrad ankommen und sein Büro betreten.
Die Tagesarbeit kann nun für alle beginnen.

Haben Sie mitgezählt wie viele Menschen - übrigens alle natürlich uniformiert - inzwischen für das Tagegeschäft auf einem nicht allzu größen Bahnhof nötig waren?

Da es noch keine Computer oder moderne Stellwerke gab und das Arbeitsaufkommen durchaus beachtlich war, erübrigt sich auch die Frage ob etwa zuviele Mitarbeiter anwesend waren.

Das waren noch Zeiten...